Papi, Paul, 

wir vermissen Dich!

 

Trauerrede, geschrieben & gelesen vom Sohn

Geboren wurdest Du am 8. November 1944 in Glarus. Du durftest zusammen mit  Deiner jüngeren Schwester in Romanshorn aufwachsen. Deine Eltern Monteur Paul und  Schneiderin Anna Holzer Kubli waren streng, aber gütig. Du durftest eine sorgenfreie Kindheit erleben mit „Fangis und Versteckis" in der Nachbarschaft und Familienferien im Zelt im Tessin und auf dem Berninapass. Aus Päuli wurde Paul und um Verwechslungen mit Deinem Vater zu vermeiden, rief man Dich bald liebevoll „Ueli", nach Deinem Grossvater Ulrich. 

Eigentlich wolltest Du Lehrer werden, „eine Respektperson, die viel wusste". Ein pensionierter Aushilfslehrer in der Sekundarschule („Lieber gehe ich Schweine hüten als mit euch Unterricht zu halten"!), zerstörte Dir aber diesen Traum.  Als Pilot wolltest Du  dann noch höher hinaus, aber mit der fliegerischen Vorabklärung klappte es nicht. Nach Schulabschluss zog es Dich in die Ferne. Erste Station war St. Gallen, wo  Du ab 1961 eine  kaufmännische Lehre bei  Bürobedarf Marlcwalder absolviertest. Du konntest Dich schnell für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge begeistern und wolltest die grossen Rechenmaschinen lieber selbst bedienen als verkaufen. Nach Lehrabschluss folgte ein Welschlandjahr in Lausanne bei Kaiser Bürobedarf, wo Du Dich der Kalkulation und dem Zahlungswesen annahmst. Dort fandest Du auch eine erste Liebe, welche ebenfalls ein Jahr in der Romandie verbrachte.

1965 liesst Du Dich in Zürich nieder und verschafftest Dir als Aussenrevisor bei der Schweizerischen Treuhandgesellschaft Einblicke in die verschiedensten Unternehmen in der ganzen Schweiz, von Saurer bis zur Papierfabrik Biberist. Der Karriereweg zum dipl. Wirtschaftsprüfer ging Dir dort nicht schnell genug und 1969 packtest Du die Chance bei der Mitreva, der Revisionsstelle der Migros. Bei der Prüfung des Hotelplans hattest Du täglich mit dem Finanzdirektor zu tun und warst deswegen oft im Büro seiner Sekretärin Carmen - das gab Deinem Leben eine neue  Richtung! 

Die ersten paar Hürden hattet ihr gemeinsam erfolgreich gemeistert. Du heiratetest Carmen und  schon bald übernahmt ihr das Rebegg in Adliswil. Das Künstler- und Elternhaus von Carmen war damals in ei-nem schlechten Zustand. Die körperliche Arbeit am Haus und im Garten taten Dir gut. Du erhieltest einen wertvollen Ausgleich zu Deinem  fordernden Bürojob. 

Am  30.  September 1973 kam euer Sohn zur Welt. Carmen hatte es eilig, sie wollte möglichst bald ein Geschwisterchen für ihn und das  Vorhaben glückte: Am 4. August 1975 war auch die Tochter da. 

Auch beruflich ging es Schlag auf Schlag. 1977 wurdest Du  als einer der Jüngsten zum Prokuristen befördert, ein Jahr später durftest Du das Bücherexperten-Diplom entgegennehmen und keine 12 Monate später stiesst Du in den Rang des Vizedirektoren vor und wurdest stellvertretender Geschäfts-leiter. Als wäre das nicht genug gewesen, engagiertest Du Dich auch noch in der Politik. LDU Landesring der Unabhängigen - das passte zu Dir. Vom Gemeinderat hattest Du es bis in den Stadtrat geschafft. Wir Kinder waren echt stolz auf Dich. 

In der Mitte Deines Lebens schienst Du alles Erstrebenswerte erreicht zu haben. Mit Familie wohnhaft in einem paradiesischen Eigenheim vor den Toren Zürichs konntest Du auf eine beeindruckende berufliche und politische Karriere zurückblicken. 

Dann  passierte es ohne Vorwarnung: Du branntest aus, „Burnout" war die Diagnose. Dein Leben wurde plötzlich schwierig. Deine Partei verlor an Popularität und Du wurdest aus dem Stadtrat gedrängt. Die viele Arbeit am und ums Haus wie auch Konflikte mit Kindern und Frau nagten am Hausfrieden. Es folgte Trennung, Scheidung und Umzug nach Urdorf, später Oberwil in Baselland. Mit einem Vorgesetzten, welcher nur wenige Jahre älter war, gab es keinen Karrierefortschritt mehr, weshalb Du nach 17 Jahren Migros Genossenschaft-Bund (MGB)  zu Denner als Direktor des Konzern-Controllings wechseltest. Unter dem legendären Karl Schweri hattest Du eine herausfordernde und spannende, jedoch auch kräftezehrende Zeit, die nach 14 Jahren für Dich unschön endete. Davon hast Du  Dich nie mehr richtig erholt. Du fandest zurück zum MGB, aber nie wieder in eine gute, kraftvolle Form. 


Die Frühpensionierung war ein logischer Schritt. Bereits Mitte der 90er-Jahre zog es Dich in den schönen Kanton Schwyz nach Lachen in eine Dachwohnung mit atemberaubendem Blick auf See und Berge, einem Boot in Gehdistanz und zwei chicen Autos in der Tiefgarage. 
 

Eigentlich hätte alles gut sein können. Hier wolltest Du bleiben. Doch die Abwärtsspirale hatte Dich längst im Griff. Immer wieder flüchtetest Du von dieser Welt in einen Rausch. Die Sucht nahm Dir nach und nach Deine Lebensqualität. 

2010 hast Du ein schönes Zuhause in einer Alterswohnung des Alterszentrums am Etzel in Feusisberg gefunden. Der geliebte Seeblick blieb Dir so etwas erhalten. Zeitgleich durftest Du Dein erstes Grosskind Soraya kennenlernen, später folgten Catarina und Rafael. Du hast nach einigen einsamen Jahren sogar wieder soziale Kontakte geknüpft. Die zwei Jassabende  pro Woche waren  Dir wichtig, auch die familiären Jassrunden mit Mutter und Schwester. 

Wie sehr Dich die Menschen im Zentrum  mochten, Anwohner wie auch Mitarbeitende, sahen wir gut. Noch viel mehr spürten wir es, als Dein Ende nahte. Der Einsatz vom Team  war ganz unglaublich, sehr liebevoll, behütend und sanft, und er erlaubte Dir bis zum vorletzten Tag würdig Deinem  Wunsch entsprechend in Deiner Wohnung zu bleiben. Wir hätten uns für Dich kein besseres Umfeld wünschen können. Dafür sind wir sehr dankbar. 
 

 

Abschiedsbrief von Tochter Tanja Alexandra Holzer

Lieber Papi 

Und nun bist Du weg. Der Gedanke ist noch so neu, alles ging so furchtbar schnell. Von der Diagnose bis jetzt — gerade mal drei lausige Wochen und ein paar nahe Momente blieben uns. Ich bin sehr dankbar, durftest Du schnell und scheinbar leidenslos gehen. 

Im Grunde  nehme ich seit fast 15 Jahren Abschied von Dir. Ich dachte, ich sei auf diesen Tag vorbereitet. Nein, bin ich nicht. Du fehlst mir jetzt schon. Und ich kann mir die Welt ohne Dich noch gar nicht vorstellen. 

So paradox es klingt: Die schwierigsten Jahre waren auch unsere besten Jahre. Sie haben uns einander näher gebracht. Danke, für all das, was ich dank Dir lernen durfte. 

Danke, für Deine Liebe. 

Schlaf gut, lieber Papi. Nun kommt Dich niemand mehr stören und wecken. Endlich darfst Du schlafen, in Ruhe und Frieden. Den Frieden habe ich in den letzten Wochen in Deinen Augen gesehen. Ich bin so dankbar, hast Du ihn gefunden. 

Schlaf gut. 

In Liebe, ich werde Dich immer vermissen, 

Deine Tanja 

 
 

Abschied

 

Der Abschied fand am 28. Dezember 2017 in Romanshorn statt.

Deine letzte Ruhe hast Du auf dem Friedhof der evangelischen Kirche gefunden.

Abschiedsgottesdienst war mit Pfarrer Ruedi Bertschi.

Den wunderbaren Grabstein mit dem Schiff auf dem Zürichsee gestaltete
Bildhauer Melik Scheurer, Romanshorn.

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